10 Jahre UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten

Vom Nationalpark Jasmund in die Ukraine


Vom 27. – 28. September erstrahlten die Buchenurwälder der Karpaten in besonders freundlichem Herbstlicht. Anlässlich des 10. Jahrestages der Anerkennung als UNESCO-Welterbe organisierte das Team des Biosphärenreservates der Karpaten (CBR) in Rahiv eine internationale Konferenz mit Waldexkursion. Die Teilnehmer, Initiatoren und Mitstreiter der Welterbestätte blickten zurück auf über 10 Jahre erfolgreiche internationale Kooperationen, auf wissenschaftliche Ergebnisse und viele Herausforderungen zum Management der Urwälder von Weltrang. Herzlich war der Empfang der etwa 100 Gäste im Rathaus von Rahiv mit traditioneller Volksmusik der Huzulen. Für den Nationalpark Jasmund reisten Mark Ehlers, Leiter des Nationalpark-Zentrums KÖNIGSSTUHL und Katrin Bärwald vom Nationalparkamt Vorpommern in die Ukraine.

Die vierköpfige Delegation aus Deutschland überreichte den Ukrainern zum Jubiläum eine Fahne (v.l.n.r.: Mark Ehlers, Katrin Bärwald, Prof. Hannes D. Knapp, nicht im Bild Hagen Kluttig, BfN). Foto: Iryna Shchoka

Der Bericht über die Eröffnung des UNESCO-Welterbeforums im Jasmund stieß deshalb auf besonders großes Interesse. „Wir wünschen uns, dass in den Karpaten bald ein Besucher- und Schulungszentrum entsteht.”, betonten die Gastgeber während des Treffens.
Prof. Fedir Hamor und Prof. Hans D. Knapp, zwei “Väter” der 10-jährigen Welterbegeschichte, erinnerten mit ihren Festbeiträgen an die Geburt der Idee im Jahr 2003 in Mukachevo auf einer internationalen Tagung zum Schutz der Buchenwälder. Internationale Kooperationen auf ganz verschiedenen Ebenen führten dann im Jahre 2007 zur Anerkennung der Urwälder der Karpaten durch die UNESCO-Kommission, zur Erweiterung um die deutschen Stätten im Jahr 2011 und letztlich zur nahezu vollständigen Komplettierung um die wertvollsten alten Buchenwälder in ganz Europa im Juli 2017. Inzwischen gehören 78 Buchenwälder in 12 Ländern zur Familie der Welterbe-Buchenwälder und somit zur größten seriellen UNESCO-Welterbestätte der Welt. Die jahrelange kooperative Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Naturschützern und administrativen Vertretern über die Grenzen hinweg belegt auch, wie europäischer Zusammenhalt gelebt werden kann. Prof. Knapp verwies zudem auf die Dringlichkeit, die letzten Urwaldreste bedingungslos zu schützen. “Sind diese Urwälder einmal von Menschenhand beeinflusst, kann ihre ursprüngliche Vielfalt nie wieder erreicht werden.”
Wissenschaftler berichteten im Verlauf der Konferenz über neueste Forschungsergebnisse. Ein beispielloser Datenschatz über die Ukrainischen Buchenurwälder wurde mit Unterstützung des Schweizer Forschungsinstitutes geschaffen. Die Wissenschaftler wiesen nach, wie grundlegend sich die Urwälder von anderen Buchenwäldern unterscheiden. Bis zu 550 Jahre alte Buchen konnten bisher nur dort gefunden werden. Neue Projekte mit jungen Wissenschaftlern starten im kommenden Jahr.


Die Exkursion führte in die Urwälder von Uholka. Allein die Dimension der alten Baumriesen, die Formen- und Farbenvielfalt der Baumpilze sowie die Vielfalt der Farne beindruckten die Waldexperten schon auf den ersten Blick. “Es ist nicht so leicht, den Geheimnissen dieser Wälder auf den Grund zu gehen. Vieles ist noch unerforscht.”, berichtet Vasyl Pokynchereda, Biologe im CBR, und erzählt mit einem Augenzwinkern auch, wie sich schon ganze Forschergruppen in den weiten Urwäldern verirrten.










Der Wanderpfad durch die Urwälder führte über gefallene Buchenriesen und wurde für die Exkursionsteilnehmer zum authentischen Wildniserlebnis.


Vasyl Pokynchereda (CBR) war nicht nur maßgeblich an der Organisation der Konferenz beteiligt. Der versierte Biologe führte die Gruppe auch selbst durch die Urwälder Uholkas.
Fotos: Katrin Bärwald

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