Hintergrund

Wenn Bäume zur Gefahr werden

Information zu Baumfällarbeiten im Nationalpark Jasmund

Im Nationalpark gilt das Motto Natur Natur sein lassen.

Die Buchenwälder dürfen hier alle Phasen ihrer natürlichen Entwicklung durchlaufen, vom Keimen junger Bäume, über hallenähnliche Reifestadien bis hin zum Zerfall großer Baumriesen. Gerade alte und dicke Bäume und deren Zusammenbruch oder herabfallende Baumteile schaffen Strukturen und Nischen, die ein Großteil der typischen Buchenwaldarten zum Überleben dringend braucht. So sind Fledermäuse und Spechte auf Baumhöhlen angewiesen, seltene Pilz- und Insektenarten auf vermodernde Stämme am Boden oder auf Baumstümpfe. Die ganze Vielfalt im Buchenwald typischen Tier- und Pflanzenarten braucht das mosaikartige Nebeneinander aller Waldstadien, von den kleinen Bäumchen bis zu den alten und abgestorbenen Riesen.

Die UNESCO erkannte die ältesten und wertvollsten Buchenwälder im Herzen des Nationalparks als Weltnaturerbe an.

An öffentlichen Straßen und an der Grenze zwischen Nationalpark und Siedlungsbereichen geht Sicherheit vor.


Auch im Nationalpark gilt die Pflicht zur Verkehrssicherung an öffentlichen Straßen und angrenzend an Bebauungen. Das schließt ein, dass dort die Bäume regelmäßig kontrolliert werden. Geschulte Mitarbeiter des Nationalparkamtes sehen sich zwei Mal im Jahr die betreffenden Bäume an. Sie nehmen damit die Pflichten des Landes MV als Waldeigentümer wahr. Sobald von den sachkundigen Prüfern eine Gefahr festgestellt wird, erfolgen auch im Schutzgebiet Eingriffe in die sonst streng geschützte Natur. Die Bereiche, die regelmäßig Verkehrssicherungsarbeiten erfordern, wurden im Nationalpark als Pflegezone ausgewiesen. Das betrifft aber nur knapp 3 % der gesamten Nationalparkfläche.

Dichte Wälder an der Straße machen besonderen Eingriff erforderlich.


Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte sind die Nationalparkwälder an der Landesstraße 303 immer dichter zusammengewachsen. Von Natur aus im ständigen Konkurrenzkampf um das Licht, sterben dadurch Kronenteile und die schwächsten Bäume ab. So fiel an der Straße ein immer größerer Anteil herabfallender Baumteile und absterbender Bäume an. Die Gefahrenbäume konnten kaum noch aktuell und kontinuierlich beseitigt werden. Gefahren durch trockene Starkäste in den Kronen waren immer undeutlicher zu erkennen. Die Gewährleistung eines sicheren Straßenrandes wurde zunehmend schwieriger. Die Situation erforderte besondere Eingriffe. Durch die deutliche Auflichtung der straßennahen Wälder in einem Streifen einer Baumlänge wird der natürliche Ausleseprozess unterbrochen. Die einzelnen verbleibenden Bäume können stabil, mit gesunden Kronen und ausreichend Licht weiterwachsen.

Für die Folgejahre werden dadurch die Eingriffe zur Verkehrssicherung zwar nicht ganz verhindert, aber deutlich reduziert.

Maschinen helfen, die verbleibenden Bäume zu schonen.


Der Einsatz einer Holzerntenmaschine (Harvester) bleibt eine absolute Ausnahme im Schutzgebiet und wurde gut abgewogen. Er ermöglicht das gezielte Fällen und Ablegen der Bäume, ohne den verbleibenden Baumbestand zu gefährden und gewährleistet, besonders an den Hanglagen, eine größere Sicherheit für den arbeitenden Menschen. Bei nassen Wetterlagen kommen Maschinen nicht zum Einsatz, um den Boden nicht zu gefährden. Wo es möglich ist, bewegen sich die Maschinen zum Fällen und zum Holzrücken auf Reisigdecken, die den Bodendruck deutlich mildern.

Borkenkäfer reduzieren Fichtenbestand und schaffen ungewohnte Waldbilder.

Die sukzessive Entnahme von nicht heimischen Nadelbäumen war Ziel der im Jahr 2018 abgeschlossenen Waldumwandlung. Dadurch wurde der Anteil an Nadelbäumen reduziert und den nachwachsenden Laubbäumen Licht gegeben. Die restlichen Nadelbäume verbleiben im sich selbst regulierenden Wald. In einigen der kleineren Fichtenwäldern im Nationalpark haben Borkenkäfer zum Absterben der Bäume beigetragen. Unmittelbar an der Straße wurden die toten Fichten in der Breite einer Baumlänge komplett entnommen, damit sie nicht auf die Straße fallen. Außerhalb dieses Streifens bleiben auch diese Fichtenwälder ganz der Natur überlassen.

Am Straßenrand greift der Mensch regelmäßig ein – die Wildnis im Innern bleibt davon unberührt.

Aufgelichtete Wälder an der Landesstraße verändern das Bild vom Nationalparkwald auf einer kleinen Fläche, die auf das nötigste Maß begrenzt ist. Die Wildnis im Innern des Schutzgebietes bleibt davon unberührt.
Grundsätzlich bleiben die gefällten Bäume als Lebensraum für die Buchenwaldarten liegen. Wenn zu große und zu viele Baumteile den Fortgang weiterer Sicherungsarbeiten behindern oder schlicht keinen Platz in unmittelbarer Straßennähe haben, werden sie abgefahren und verwertet. Die Kronenteile bleiben auf der Fläche. Sie schützen den Boden und verschaffen der nächsten Baumgeneration gute Startbedingungen.

An den Wanderwegen wird nur bei akuten Gefahren in den Baumbestand eingegriffen.

Im Gegensatz zu den strengen Prüf- und Sicherheitsregularien an öffentlichen Straßen, gilt für Rad-, Reit- und Wanderwege:
Herabstürzende Baumteile stellen im Wald eine typische Gefahr dar, mit der jeder Waldbesucher rechnen muss. Hier ist die Achtsamkeit jedes Einzelnen notwendig, also ein regelmäßiger Blick nach oben oder das Meiden von Waldbesuchen bei starkem Wind oder anderen ungünstigen Witterungen, wie Nassschnee auf den Zweigen.

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Born, im März 2019

Kontakt:

Nationalparkamt Vorpommern
Stubbenkammerstraße 1
18546 Sassnitz
Tel.: 038334 – 502 0

Nationalparkamt Vorpommern
Im Forst 5
18375 Born
Tel.: 038234 – 502 0
Email: poststelle@npa-vp.mvnet.de

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