Die Entstehung der Kreidefelsen

Die Kreide ist ein Sedimentgestein, dessen Schichten ursprünglich parallel zum Meeresboden, also mehr oder weniger waagerecht lagen. Anhand der Feuersteinbänder in den Kreidefelsen erkennt man aber, dass die Schichten meistens schräg, gelegentlich sogar senkrecht stehen. Mancherorts sind die Schichten rundgebogen, wie ein Hufeisen. Angerichtet haben dieses gelogische Durcheinander die Gletscher der letzten Eiszeit.

Jasmunds Kreideküste © I.Stodian

Der Zahn der Zeit

In der Erdgeschichte wechselten sich immer wieder Warmzeiten, in denen Pole und Gebirge eisfrei waren, mit Kaltzeiten ab, in denen es zu mehr oder weniger starker Vergletscherung kam. Aber auch innerhalb kalter Phasen wechselten sich längere Kaltzeiten, sogenannte Glaziale, mit kürzeren Warmzeiten, den Interglazialen, immer wieder ab. Das letzte Eiszeitalter war das Pleistozän. Es begann vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endete vor rund 11.000 Jahren mit der gegenwärtigen „Nacheiszeit“, dem Holozän, einer Warmzeit innerhalb eines globalen Eiszeitalters. Vermutlich stehen wir heute wieder am Beginn einer neuen Eiszeit, der wir allerdings mit dem menschengemachten Klimawandel kräftig und, in geologischen Maßstäben rasant, entgegenwirken.
 

Gletscher: dynamisch, kraftvoll und wirkmächtig

Kaltzeiten sind verbunden mit Vorstößen der arktischen Gletscher nach Süden. Die Gegend des heutigen Vorpommern war jedes Mal mit einem bis zu 3 Kilometer dicken Eispanzer bedeckt. Durch die Bildung kontinentaler Eismassen wird den Meeren Wasser entzogen. Während des Höhepunktes der jüngsten Eiszeit lag der Meeresspiegel um 80 bis 100 Meter tiefer als heute. Dadurch entstanden zahlreiche Landbrücken. Nebenmeere und Flachmeere wie die Nordsee fielen teilweise oder vollständig trocken (und Amerika konnte über die Beringstraße besiedelt werden).
Jede Kaltzeit unterteilt sich wiederum in kältere und wärmere Abschnitte. Immer wieder rückt das Eis vor und zieht sich wieder zurück. Jeder Vorstoß verändert das Land von Neuem. Dabei übt das Eis nicht nur gewaltigen Druck auf das Land aus, das es unter sich begräbt. Es schiebt auch wie eine Planierraupe große Mengen Schutt vor sich her, die es über weite Strecken transportiert. Als Endmoränen bezeichnen solche Schuttwälle den jeweils weitesten Vorstoß des Eises.

Schmelzwasserflüsse lassen Sanderflächen entstehen. Wo das Eis einfach abtaut, lagert es Geschiebemergel ab, Material aller Korngrößenklassen von Ton über Schluff, Sand, Kies und Steinen (Geschiebe) bis hin zu den großen Findlingen, genauso unsortiert, wie es zuvor vom Eis aufgenommen und transportiert worden war.
Man kann deshalb sagen, dass von Rügen nur die Kreide an Ort und Stelle entstanden ist. Alles andere wurde von den Gletschern aus Skandinavien hertransportiert. Bestaunen kann man dies an den Blockstränden im Nationalpark.