Regenfreude statt Sonnenbrand

Während in diesem Sommer viele Urlauber ihre Sonnenhüte gegen Regenjacken eintauschen, quaken die Springfrösche vor Freude. Endlich wieder ideales Amphibienwetter!

Nahaufnahme vom braunen Springfrosch, der auf dem Waldboden sitzt. © TMV | Tiemann
Springfrösche lieben lichte Wälder mit feuchten Böden.

Nahezu überall im Nationalpark Jasmund kann aktuell ein Springfrosch auftauchen. „Sie sind in Mooren und Wäldern unterwegs und ist die häufigste Amphibienart bei uns im Schutzgebiet. Und das, obwohl der Springfrosch in Mecklenburg-Vorpommern auf der Roten Liste 1 steht. Er ist als vom Aussterben bedroht eingestuft“ sagt Dr. Ingolf Stodian, Dezernent für den Nationalpark Jasmund.
 

Die anhaltenden Regenfälle haben die Jasmunder Moore gut gefüllt. Die empfindlichen Ökosysteme profitieren enorm von der Durchfeuchtung – ein Segen für Pflanzen, Tiere und Klimaschutz. Die hiesigen Moore sind Lebensraum für einige Spezialisten wie Sonnentau, Wollgras und Rotbauchunke. 
 

Moore sind aber nicht nur ein wichtiges Habitat für seltene Flora und Fauna, sondern gelten als natürliche CO₂-Speicher. Sie sind auf eine stetige Wasserversorgung angewiesen und in diesem Sommer bekommen sie reichlich davon. Die diesjährige Frühjahrstrockenheit ist mittlerweile kompensiert und alles wächst üppig und in sattem Grün.
 

Auch auf den Wanderwegen zeigt sich das Wetter deutlich: Wer durch die urige Buchenlandschaft des UNESCO-Weltnaturerbes streift, sollte besser wasserdichtes Schuhwerk mitbringen. Pfützen gehören derzeit zum festen Weginventar – für viele Kinder mit Gummistiefeln ein Spaß. Die andauernden und starken Niederschläge weichen auch die Kreide auf und fördern die Gefahr von Abbrüchen. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme ist wie immer geboten.
 

In den nächsten Tagen ist wieder Sonne in Sicht. Also am besten nicht über das Wetter ärgern, sondern im Wald dem Konzert der Frösche lauschen. Das erklingt in diesen Tagen besonders laut. Oder man erfreut sich an ihren munteren Sprüngen. Auch ein nasser Sommer hat seine Naturwunder.
 

Steckbrief Springfrosch (Rana dalmatina)
 

Der etwa 6 cm große Springfrosch (die Weibchen sind etwas größer) ist ein schlanker, wendiger Froschlurch, der seinem Namen alle Ehre macht. Mit seinen kräftigen Hinterbeinen schafft er Sprünge von bis zu zwei Metern – Rekordhalter unter den einheimischen Amphibien.
 

Er hat eine rötlich-braune bis ockerfarbene Haut, oft mit einem dunklen Streifen vom Auge bis zum Trommelfell – ein gutes Erkennungsmerkmal. Im Gegensatz zu anderen Braunfröschen wirkt er eleganter und zierlicher.
 

Sein bevorzugter Lebensraum sind Moore und lichte Laub- sowie Mischwälder mit feuchten Böden. Regen liebt der Springfrosch, denn dann geht er auf Wanderschaft, ruft nach Artgenossen und sucht Laichgewässer auf. Sein Ruf ist ein leises „wopp-wopp“, das meist in den frühen Abendstunden erklingt.
 

Seine aktive Zeit hat der Springfrosch von März bis Oktober. Den Winterschlaf verbringt er im Laub oder in Erdlöchern. Käfer, Insekten, Spinnen, Schnecken und Regenwürmer vertilgt er besonders gern.