Großer Abbruch an der Kreideküste
Der strenge Winter, verbunden mit extrem hohen Niederschlägen im Februar, hat auch der Kreideküste zugesetzt. Der Naturprozess aus: „Wasser im Kliff– Gefrieren- Auftauen – Ausdehnen – Absprengen“ erfolgte in diesem Jahr erwartungsgemäß in heftiger Ausprägung. Als Resultat stützte nördlich von Sassnitz, am Lenzer Bach, eine Kreidescholle in die Tiefe, mitsamt Baumbestand. Mit einem Volumen von etwa 9.000 Kubikmetern Kreidemasse ist dies der größte Abbruch seit 15 Jahren. „Wir haben hier ein Kreidesteilufer, was wirklich sehr senkrecht steht, und das ist in einer breiten Scheibe abgerutscht. Das war zu erwarten.“ erläutert Dr. Ingolf Stodian, Dezernent und Leiter des Nationalparks und ergänzt: „Seit Jahrtausenden formen diese Prozesse unsere Küste und gestalten das weiße Kliff.“
Bis zu 58 Meter vom Kliff weg liegt das Material ausgebreitet in der Ostsee. Im Wasser löst sich die Kreide nach und nach auf und färbt es Türkis. Dieses Phänomen wird auch Kreidemilch genannt. Einen weiteren kleinen Abbruch konnte das Team vom Nationalparkamt bei einer seeseitigen Kontrollfahrt entdecken. In der Nähe der Wissower Klinken brachen etwas 2.000 Kubikmeter ab. Einen letzten großen Abbruch gab es im Jahr 2011, damals mit 35.000 Kubikmetern.
Für Besucher gilt: oben entlang und Abstand halten
Das Naturschauspiel lockt Besucher. Allen muss bewusst sein, dass die bewegte Küste mit Gefahren einhergeht. Es kann jederzeit wieder etwas abrutschen oder herunterfallen, gerade nach dem Winter. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu verschiedenen vermeidbaren Unglücksfällen am Steilufer, sei es durch Absturz, Kletteraktionen am Kliff oder feststecken im Kreideschlamm. Rettungsaktionen in diesem Teil der Küste gestalten sich besonders schwierig und bringen letztlich auch Retter in Gefahr. Daher ist ein Spaziergang oberhalb des Ufers, auf dem markierten Hochuferweg immer die sichere Variante, mit ausreichend Abstand zu potenziellen Abbruchstellen.