Sicherheit geht vor

Warum wird die beliebte Treppe am Königsstuhl nicht erneuert?

Im Nationalpark Jasmund zählt der Königsstuhl mit seiner näheren Umgebung zu den attraktivsten und touristisch bedeutsamsten Gebieten für das Land Mecklenburg-Vorpommern. Die beliebte Kreideküste ist aber auch ein Ort, an dem die Kräfte der Natur besonders stark wirken.

Was ist geschehen?

In den Jahren 1992/93 wurde vom Nationalparkamt Mecklenburg-Vorpommern auf landeseigenen Flurstücken im Nationalpark Jasmund direkt neben dem Königstuhl eine Abstiegstreppe zum Strand errichtet. Tausende Besucher nutzten seither jährlich den Abstieg zum Strand. Die in Holzbauweise errichtete Treppe erforderte von Beginn an einen erheblichen Reparaturaufwand. Die ersten 270 der insgesamt 515 Meter verlaufen in einem Hangbereich, der stetig rutscht. Die Treppe wurde dadurch immer wieder deformiert.

Im Mai 2016 kam es im untersten Bereich der Abstiegstreppe zu einem kleinen Hangrutsch am Fuß einer Kreidefalte. Dadurch wurde eine ca. 120-jährige Buche umgerissen, welche den unmittelbaren Zugang zum Strand zerschlagen hat. Die unteren 12 Meter der Treppe waren deshalb nicht mehr nutzbar. Der Abstieg endet seit diesem Ereignis abrupt am Abbruch in ca. 5 Metern Höhe über dem Strand.
Seitdem ist die Treppe für den Besucherverkehr gesperrt.

Wie sicher sind Hang und Strand am Königsstuhl?


Der betroffene Hangbereich ist geologisch instabil und stark abbruchgefährdet. Der Strand im betroffenen Bereich misst nur wenige Meter Breite. Bei Sturm treffen die Wellen unmittelbar und mit voller Kraft auf den Hangfuß. Dies führte in den letzten Jahren immer wieder zu Hangausbrüchen, die ein erhebliches und kaum kalkulierbares Risiko für die Standfestigkeit eines neuen Abstiegs und vor allem aber für die Sicherheit der Strandbesucher darstellen.

Die Sassnitzer Feuerwehr musste von 2013 bis November 2017 an der Steilküste im Nationalpark bei insgesamt 24 Einsätzen 23 Personen retten, die sich in einer akuten Notlage befanden. Jährlich besuchen etwa 500.000 bis 800.000 Touristen diesen Bereich. Mit zunehmender Besucherzahl steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Strandbesucher zu Schaden kommen. Auch die Stadt Sassnitz unterstützt deshalb die Empfehlung der Rettungskräfte vor Ort, den Abstieg nicht zu erneuern, um das Besucheraufkommen zukünftig auf dem gesamten Strandabschnitt zwischen dem Abstieg am Kieler Bach und dem am Königsstuhl stark zu reduzieren. Der Abstieg am Königsstuhl führt nicht nur zu einer starken Besucherkonzentration an einem der gefährlichsten Strandabschnitte der Insel Rügen, er verleitet Urlauber auch immer wieder zu Strandwanderungen, deren Gefahren nur schwer abschätzbar sind.


1. Bei Sturmhochwasser treffen die Wellen unmittelbar auf den Hangfuß am Königsstuhl.

2. Rutschende Hänge und unkalkulierbare Abbrüche an der Steilküste bleiben eine dauernde Gefahr für alle Strandbesucher.





(Fotos: Ingolf Stodian)

Die Folgerungen

Vor diesem Hintergrund haben sich das Wirtschaftsministerium und das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg–Vorpommerns entschieden, den Abstieg am Königsstuhl nicht zu erneuern und die Reste des alten Abstieges zurückzubauen.
Weitere Gründe sind nach den Sicherheitsaspekten ferner die zu erwartenden Kosten, verursacht durch die geologischen Verhältnisse. Des Weiteren wären erhebliche Ausgleiche für Eingriffe in sensible und streng geschützte Naturbereiche (Nationalpark mit UNESCO-Welterbe) notwendig, die, wenn überhaupt, nur mit hohem Aufwand möglich wären. Für eine, ebenfalls kostenintensive, Notreparatur konnte kein Anbieter gefunden werden, der die Standsicherheit des Bauwerkes gewährleistet hätte.

Alternativen für Wanderer

Wanderern, die von Lohme oder aus Hagen kommend bisher den Abstieg am Königsstuhl genutzt haben, wird empfohlen, weiter zu laufen bis zum knapp drei Kilometer entfernten Kieler Bach. Damit wird die Wanderung am Hochufer zwar länger, führt aber auch entlang einer der schönsten Wanderwege Deutschlands zu einem attraktiven Ausflugsziel. Neben dem Wasserfall des Kieler Baches kann dort über eine Rettungsleiter der Strand erreicht werden. Für die meisten Gäste besteht damit eine Alternative, inmitten einer der reizvollsten Wildnisgebiete Deutschlands auch den Strand der Kreideküste zu erreichen.

Von Sassnitz kommend gibt es drei Möglichkeiten, den Strand über einen Abstieg zu erreichen: gleich an der Nationalparkgrenze, etwas weiter nördlich an der Piratenschlucht und ebenfalls in Mitten des Nationalparks am Kieler Bach.


Eine Alternative, den Strand an der Kreideküste zu erreichen, ist die Leiter am Kieler Bach.
(Foto: Andreas Nehring)

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